Wednesday, September 22, 2010

Kirche und Staat in der Bundesrepublik Deutschland gestehen ein „ca 500.000 Heimopfer leben noch“, lehnen aber 25 Milliarden Entschädigung für sie ab.

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In der frühen Bundesrepublik lebten zwischen 800.000 - 1.000.000 Kinder und Jugendliche in Heimen – die Zahlen sind relativ unumstritten.

Wir sollten bei den Berechnungen von 500.000 Überlebenden ausgehen, die heute noch leben und ein (zumindest theoretisches) Anrecht auf Entschädigung haben und dabei Zahlen zu Grunde legen, die in den verschiedenen "Lösungsvorschlägen" genannt werden, die hier kursieren ([ 1. ] Arbeitskreis um Herrn Dr. Wiegand, Vertreter ehemaliger Heimkinder am RTH, [ 2. ] Arbeitskreis um Frau Djurovic, Vertreterin ehemaliger Heimkinder am RTH, [ 3. ] Verein ehemaliger Heimkinder e.V., seit Ende Februar 2010 auf Anweisung von Schirmherrin Dr. Antje Vollmer nicht mehr am »Runden Tisch Heimerziehung« vertreten).

Frau Djurovic fordert an verschiedenen Stellen (zuletzt am 19.09.2010 in "evangelisch.de", einem Internetportal der evangelischen Kirche, http://www.evangelisch.de/themen/gesellschaft/der-runde-tisch-ist-f%C3%BCr-heimkinder-eine-einmalige-chance23246) einen Rentenausgleich von 300 Euro pro Monat. Das ergibt – bei einer geschätzten "Restlebensdauer" von 15 Jahren – eine Summe von genau 27 Milliarden Euro!

Die Gruppe um Wiegand fordert einmal diesselbe Summe wie Frau Djurovic, als Alternativvorschlag fordert sie gestaffelte Beträge je nach "Schwere der Schädigung" und kommt dabei auf eine durchschnittliche monatliche Rente von 330 Euro. Dies würde – wiederum bei einer Annahme von 500.000 Überlebenden und damit potentiell Rentenberechtigten und einer geschätzten "Restlebensdauer" von 15 Jahren – eine Summe von 59.400 Euro pro Person (Herr Dr. Wiegand hat diese Summe in seinem Papier großzügig auf 60.000 Euro hochgerechnet – wir sollten dennoch bei der korrekten Zahl bleiben, denn bei 500.000 Personen sind auch 600 Euro eine ziemlich große Summe). Das bringt uns auf eine Gesamtsumme von 29,7 Milliarden Euro!

Der Verein ehemaliger Heimkinder e.V. (VEH e.V. / VEH) schließt sich mit seinen Lösungsvorschlägen – ohne eigene Zahlen zu präzisieren – den obigen Varianten an.

Da nehmen sich die damaligen Forderungen des Vereins ehemaliger Heimkinder e.V., die in den Medien für einen Aufschrei der Empörung sorgten und letztendlich dafür, dass Frau Djurovic dem VEH e.V. den Rücken kehrte, mit einem Mal relativ bescheiden aus: Der VEH forderte ein Entschädigung von 50.000 Euro pro Person – und kam, bei einer Annahme von 500.000 Überlebenden – auf die für Furore sorgende Summe von 25 Milliarden Euro! (Siehe den entsprechenden Artikel Menschenrechtsverletzungen @ http://hpd.de/node/7135).

Übrigens: selbst wenn man davon ausgeht, dass nur 10% der eventuell Überlebenden sich melden, um Entschädigungszahlungen einzufordern, kommt man nach den "Lösungsvorschlägen" immer noch auf 2,7 respektive 2,97 Milliarden Euro. Wenn man sich diese Zahlen vor Augen hält, versteht man auch, weshalb sich die beiden großen Kirchen und der Staat so zieren und alles dran setzen, die Heimkinder über den Runden Tisch zu ziehen!

Selbst der uns allen vertraute evangelische Theologe und Diplom-Psychologe Dierk Schäfer in Bad Boll ist der Meinung – wie er kürzlich (am 27.08.2010) in seinem Blog: Dierk Schaefers Blog @ http://dierkschaefer.wordpress.com/2010/08/27/losungsvorschlage-von-dr-wiegand/#comment-419 aussagte – dass ehemalige Heimkinder über den Tisch gezogen werden:
„Einen ganz besonderen Dank, Herr Mitchell, für den Hinweis auf das Interview unter http://mediathek.daserste.de/daserste/servlet/content/5048798. Dieser Rechtsanwalt [ Fachanwalt Prof. Elmar Giemulla ] weiß nicht nur Bescheid, wie Versicherungen und andere Haftungspflichtige arbeiten, sondern er kennt auch die menschliche Tragik auf der Opferseite. Es geht hier zwar nicht direkt um Heimopfer, doch alle Heimkinder sollten sich dies Interview anschauen, damit sie fundiert erfahren, wie sie über den Tisch gezogen werden.“

Heidi Dettinger [ in Zusammenarbeit mit Martin Mitchell ]


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Meine [ d.h. Martin MITCHELLs ] eigene momentane Unterschrift: Eine Verhandlung oder ein Verfahren ohne QUALIFIZIERTEN juristischen Rechtsbeistand, Recht und Gesetz ist wie ein Gebäude ohne Fundament – ein Kartenhaus, und ein Armutszeugnis für jede "Demokratie" und angeblichen "Rechtsstaat", wo versucht wird dies einzuschränken.

My [ ie. Martin MITCHELL’s ] own current signature: Negotiation with the perpetrators, your detractors and opponents without QUALIFIED legal counsel present and by your side throughout and at all times, and without reliance upon the law and jurisprudence, is like a building without a foundation – a house of cards, and any attempt at curtailment of these rights is clear evidence of incompetence, incapability and incapacity of a country’s "constitutionality" and it’s "democracy".

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Man darf nicht warten, bis der Freiheitskampf ‚Landesverrat‘ genannt wird.“ ( Erich Kästner )

2 comments:

Roswitha Allingham said...

Man sieht bereits an den Zahlen der Betroffenen Heimkindern von 800 000 bis 1 Million in der frühen Bundesrepublik von den 50gern bis in die 70ger das es sehr wohl instutionalisiertes ins Heim schicken war ! Alles unter dem Begriff Fürsorgeerziehung und Fürsorgehaft, wobei die erste Anlaufstelle das örtliche Jugendamt, die zweite das Landesjugendamt und dann die jeweiligen Heimträger waren. Alle drei Institutionen haben sich nicht um die Schutzbefohlenen und die herrschenden Mißstände, Zwangsarbeit, seelischer , körperlicher und sexueller Mißbrauch gekümmert obwohl die damaligen pädagogischen Leitlinien in der Erziehung klar zu Gunsten der Kindern definiert war. Man war weggesperrt und vom Staat vergessen, die Erziehungsberechtigten Eltern, Väter Mütter hatten ebenso keine Rechte mehr einzugreifen. Wir wurden behandelt wie Verbrecher, Wir als Kinder !!! 800.000 bis 1Million Kinder und Jugendliche wurden durch diesen Staat bestraft.
Schmerzensgeld ist eine Weltweit anerkannte Form einer Entschädigung. Die Summe könnte man mal theoretisch über all die Jahre zusammenrechnen in denen wir immer und immer wieder darunter gelitten haben und all die Chancen für einen guten Start ins Leben die uns nie ermöglicht wurden. Mit wieviel Euro kann man das berechnen? Ich denke 300.-Euro Rente monatlich ist eher eine unterste Grenze vom Verstand her.

Roswitha Allingham said...

Ich wollte noch anhängen, wenn wir durch bessere Entwicklung in unseren frühen Jahren im Durschnitt 10.000 Euro jährlich im Erwerbsleben mehr verdient hätten, wobei dieser Gedanke durchaus realistisch ist, wären wir im Durchschnitt in meinem Alter um ca.300.000 Euro besser situiert.
Das wären die eigentlichen richtigen Forderungen und Zahlen. Ich könnte noch dazu addieren die Folgeschäden der Heimerziehung und das meine Söhne dadurch auch sehr mitgelitten haben, was mich heute noch sehr schmerzt. Das käme in gleicher Weise dazu.
Dies soll auch zum mitdenken anregen.
Es grüßt freundlich Roswitha Allingham